Modell des Monats

Modell des Monats
Wilhelm Füssel Charlottenburger Bronzegießer
Ausstellung im Kunstgussmuseum vom 18. November 2011 bis 19. Februar 2012


Diese Ausstellung ist dem Berliner Bronzegießer Wilhelm Füssel eine Ausstellung gewidmet. Er hatte von 1922 bis 1992 eine der bedeutendsten Berliner Kunstgießereien an verschiedenen Standorten in Charlottenburg aufgebaut und betrieben. Werke von vielen namhaften Bildhauern und Bildhauerinnen aus Berlin wie Günter Anlauf, Joachim Dunkel, William Wauer, Bernhard Heiliger und Rolf Szymanski wurden in seiner Werkstatt gegossen.
In der Ausstellung werden die einzelnen Arbeitsschritte des Bronzegusses durch Wort, Bild, Formen und Modelle veranschaulicht. Zahlreiche von Füssel gegossene Plastiken bedeutender Künstler ergänzen die Ausstellung.

Die Eröffnung findet am 17. November um 17 Uhr statt.





Ein Stück Palast der Republik im Kunstgussmuseum Lauchhammer
Zur Aufstellung des Reliefs "Lob des Kommunismus"


Im Jahr 1999, sieben Jahre vor dem endgültigen Abriss des Palastes der Republik in Berlin, wurde das etwa 5 x 12 m große Bronzerelief Jo Jastrams (1928-2011) mit dem Titel "Lob des Kommunismus" von der Stirnwand des ehemaligen Volkskammerfoyers abmontiert und in 43 Einzelteile zersägt. 20 Jahre zuvor, am 31. August 1979, hatten Mitarbeiter des Lauchhammerwerks den Abschluss der Montagearbeiten der "Jastramwand" gemeldet. Acht Reliefplatten waren damals von Lauchhammer nach Berlin geliefert worden, um im Foyer auf einem Stahlgerüst montiert zu werden.

Jo Jastram hatte den Auftrag bekommen, die "Entwicklungsgeschichte der Menschheit" darzustellen. Im Februar 1975 lieferte er sein fertiges Modell der Gießerei. Im Sinne der ideologischen Prägung seiner Auftraggeber setzte Jastram das Thema um, er komponierte ein von rechts nach links zu lesendes Relief als Epos mit scheinbar zahllosen menschlichen Figuren, die er in unterschiedlichsten Konstellationen gruppierte und an denen er die Vielfalt aller nur erdenklichen Haltungsmotive ausprobierte. Jastram porträtierte am Anfang seiner Komposition den milde lächelnden Bertolt Brecht, dessen Gedicht "Lob des Kommunismus" in erhabener Schrift auf dem Relief zu lesen ist. Für den Palastbauer Heinz Graffunder war das Relief "gültiger bildkünstlerischer Ausdruck revolutionärer Prozesse in der Geschichte der Menschheit" (Heinz Graffunder, in: Der Palast der Republik, Leipzig 1977).

Das monumentale Relief, der vielleicht wichtigste Staatsauftrag Jo Jastrams, lagerte nun in Einzelteilen mit unregelmäßigen Schnittflächen in einem Depot des Deutschen Historischen Museums Berlin. Dank der Vermittlung des Bundesamts für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen ist das Relief als Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland zum Kunstgussmuseum Lauchhammer gekommen und dient dort als Dokument und Beispiel der zahlreichen in Lauchhammer ausgeführten monumentalen Auftragswerke aus der DDR-Zeit. Exemplarisch ist ein Teilstück des "Lob des Kommunismus", der "revolutionäre Aufbruch" im Museum ausgestellt. Zehn Figuren sind dort als eine aufstrebende Einheit gruppiert – eine kollektive Kraft wird beschworen. Die übrigen Teile wurden aus Platzgründen zunächst eingelagert. Das Relief könnte, den technischen Voraussetzungen nach, wieder zusammengesetzt werden, der kürzlich verstorbene Künstler konnte dazu leider nicht mehr befragt werden.



"Eine prominente unbekannte Frau"
Anna Franziska Schwarzbach (geb. 1949)

Gips Modell zur Büste der Benedicta Margaretha Freifrau von Löwendal
geb. von Rantzau (1683–1776), 2010

Schwarzbach: "Für mich als Bildhauerin, die dem Eisenguss verfallen ist, ist es wichtig, dass sie vor 285 Jahren den Grundstein für eine der bedeutendsten Eisenkunstgießereien Europas legte. Mut und Anmut und die Mühen des Beginnens sollten in der Büste zum Ausdruck kommen. Ich möchte, dass man beim Anblick dieses Gesichts Hoffnung verspürt, keine Müdigkeit. Verstand und Leidenschaft waren die Kraft dieser Frau. Ihre barocke Energie versuche ich zu vergegenwärtigen."

Das Modell ist zum Guss in Eisen bestimmt. Unser Ziel ist die Aufstellung dieses neuen Löwendal-Porträts in Lauchhammer. Wir bitten um Spenden für den Guss.